Valeriia Semeniuk

Zweiraumwohnung in der Auguststraße

„Als ich vor zwei Jahren in die Zweiraumwohnung in der Auguststraße zog, wurde mir sofort klar: Ich möchte diesen Raum teilen“, sagt die Kunsthistorikerin und Kuratorin Daria Prydybaylo bei der Eröffnung einer weiteren Ausstellung in ihrer Berliner Wohnung in der Auguststraße.

Auf dem Foto: Darya Prydybailo

Unterdessen ist hier eine ausgelassene, bohemische Party in vollem Gange. Voll, stimmungsvoll, laut.

Während einige auf dem Boden sitzend plaudern oder in der Küche Brie und Obst schneiden, betrachten andere die neuesten Werke des Künstlers Otto Sager.

Im Bild – Otto Sager (rechts)

Dies ist der neue Name und die neue Identität von Anatoly Belov, verbunden mit erzwungenem Exil und dem Beginn einer neuen Phase seines Schaffens. Belov ist eine Legende der queeren Kunstszene Kiews und arbeitet mit Grafik, Street Art, Performance und Video. Er ist außerdem Frontmann der Band „Human Appearance“. Dies ist seine erste Einzelausstellung in Berlin, wohin er 2024 zog.

Auf dem Foto – ein Werk von Otto Sager

Eine Straße mit Geschichte

Ganz genau – die Eröffnung findet nicht in einer Galerie oder einem Museum statt, sondern in einer ganz normalen Zweizimmerwohnung in einem Vorkriegsgebäude im Bezirk Mitte. Dank der hohen Decken wirkt die Wohnung größer als sie tatsächlich ist – 65 Quadratmeter. In einem Zimmer befinden sich ein Bett und die persönlichen Gegenstände der Gastgeberin. Im anderen ist der Projektraum des AG-92 Kunsthauses untergebracht.

Die Adresse ist hier entscheidend: Die Auguststraße ist eine der Lebensadern der Berliner Gegenwartskunst, gesäumt von unzähligen Galerien und Ateliers. Bis 2012 befand sich das legendäre Künstlerhaus Tacheles direkt neben Darias Wohnung. In dieser Straße wurden die berühmten Kunst-Werke (KW Institut für Gegenwartskunst) und die Berlin Biennale gegründet. Schließlich war die Wohnung, die sie mietet, einst das Zuhause eines recht bekannten deutschen Künstlers.

Inmitten eines so geschichtsträchtigen Umfelds beschloss Daria, einen der Räume ihrer Wohnung in einen Ausstellungsraum umzuwandeln: „ Mein Ziel war es, die Präsenz neuer Künstler in der Berliner Szene hervorzuheben und ein Umfeld zu schaffen, das die Gemeinschaft in einem sicheren Raum zusammenbringt.“

Ihre eigenen Häuser

Seit zwei Jahren finden hier verschiedene Kunstveranstaltungen statt, darunter sieben Einzelausstellungen ukrainischer Künstler, die in Berlin leben. Einige, wie die Künstlerin Masha Priven aus Luhansk seit 2014 oder Vitaliy Shuplyak seit 2019.

Auf dem Foto ist Mascha Priven zu sehen.

Die meisten von ihnen landeten jedoch nach dem Ausbruch des Krieges in Berlin: Vova Vorotnev, Sofia Golubeva, Otto Sager, Maga Decadance, Tetyana Malinovskaya.

Auf dem Foto – Tetyana Malinovska

„Viele von uns haben ihr Zuhause verloren – im wörtlichen oder übertragenen Sinne – und finden es hier in Berlin neu. Deshalb bietet das Wohnhauskonzept die Möglichkeit, ein Gefühl der Unterstützung wiederherzustellen, einen eigenen subjektiven Platz jenseits der Definitionen von „Flüchtling“ oder „Opfer“ im internationalen Kontext zu finden “, sagt Daria Prydybaylo.

Zwischen Kunst und Krieg

Seit vier Jahren lebt sie zwischen Kiew und Berlin. Das betrifft nicht nur die Geografie, sondern auch ihre Denkweise und ihr berufliches Leben. In Kiew arbeitet Prydybaylo weiterhin aktiv mit Künstlern und Kulturinstitutionen zusammen, in Berlin war sie im Hamburger Bahnhof – dem Nationalen Museum für Moderne Kunst – tätig.

Laut Darya ist die ukrainische Kunstszene in Berlin eine der größten in Europa, doch die Künstler suchen in diesem neuen kulturellen Kontext noch immer nach ihrer Identität. Deshalb trägt der von ihr geschaffene Raum den Namen AG – eine Abkürzung für Arbeitsgruppe . „Um zu betonen, dass wir zusammenarbeiten und uns in der Berliner Kunstszene etablieren.“

Ihr Mietvertrag für die Wohnung in der Auguststraße läuft bald aus – und damit auch das Projekt AG92. Die Kuratorin hofft jedoch, einen neuen Raum für die Präsentation zeitgenössischer ukrainischer Kunst zu finden.

Foto – Valeria Semenyuk/Amal News und aus dem persönlichen Archiv von Daria Prydybaylo

 

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