Foto: epd-bild/Christian Ditsch
13. September 2019

Schiffbruch ist keine Lösung

Die Nachricht verbreitete sich in Windeseile in der Redaktion: „Die Kirche kauft ein Schiff, um im Mittelmeer Flüchtlinge zu retten“, schrieb unsere Korrespondentin aus der Bundespressekonferenz. Allen im Team war war ja klar, dass die EKD nicht nur Amal ermöglicht, sondern auch schon lange Sea-Watch unterstützt und Geld für das Suchflugeug „Moonbird“ zur Verfügung gestellt hat. Aber mit anderen Organisationen zusammen ein Schiff zu kaufen und dieses zu Rettungsaktionen loszuschicken ist dann doch noch mal etwas ganz anderes: Denn es heißt, dass die Kirche hier in den offenen Konflikt im Mittelmeer einsteigt. Sie beteiligt sich damit noch intensiver als bisher daran, den Druck auf Behörden und Regierungen zu erhöhen, um endlich eine tragfähige Lösung für all jene zu finden, die auf der Flucht sind. Schiffbruch ist keine Lösung.

Auf dem Kirchentag im Sommer hatten evangelische Christen die Kirche aufgefordert, ein eigenes Schiff ins Mittelmeer zu schicken. Vergangene Woche hat der Rat der EKD das mit großer Einigkeit beschlossen. „Europa muss jetzt beweisen, dass das Reden von seiner christlichen Prägung nicht nur Gerede ist“, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, als er bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Berlin die Entscheidung vorstellte.

Mit auf dem Podium saß Mike Schubert, Oberbürgermeister von Potsdam als Vertreter des Bündnisses „Städte – Sichere Häfen“, dass sich dafür einsetzt, dass Kommunen über den Verteilungsschlüssel hinaus Geflüchtete aufnehmen. Bislang aber wurde kein einziger Flüchtling auf diesem Weg in Deutschland aufgenommen. Das Bündnis fordert die Politik auf, den Weg frei zu machen, dass die Städte, die das wollen, tatsächlich die Geretteten aufnehmen können. Wichtig sei zu betonen, dass Seenotrettung humanitäre Pflicht ist. “Die Geretteten gehen natürlich anschließend ins normale Asylverfahren“, sagte Schubert.

Heimat nach der Flucht

In diesen Wochen begehen die Vertriebenenverbände in Deutschland den Tag der Heimat. Das war Anlass für die Amal-Redaktion, zusammen mit der Körber-Stiftung und dem Hamburger Abendblatt einen Schwerpunkt zum Thema Heimat zu machen. Mutaz Enjila hat Syrer gefragt, was für sie Heimat bedeutet – und kam mit einem bewegenden Video zurück. Es ist Deutsch untertitelt, und wir stellen es Redaktionen gerne für ihren Web-Auftritt zur Verfügung (Mail an info@amalhamburg.de). Auch die anderen Texte sind auf Deutsch übersetzt. Omid Rezaee erzählt, wie er in Deutschland lernte, dass der Begriff Heimat auch ausgrenzend benutzt werden kann; Nilab Langar möchte die ganze Welt als Heimat verstanden wissen – zumal sie überzeugt ist, dass viele gute und kreative Ideen gerade dann entstehen, wenn Menschen sich in die Fremde begeben. Und Ahmad Alrifaee begibt sich in einen spannenden Dialog mit einer Freundin in Berlin.

 

Frauenrechte nach der Flucht

„Ich hatte eine Klientin, die auf dem Weg von Afghanistan in den Iran und dann weiter nach Deutschland von ihrem Mann schwer misshandelt wurde. Es wäre nur sinnvoll gewesen, dass sie nun weit weg von ihrem Mann wohnt. Aber das deutsche Ausländergesetz ließ das nicht zu. So musste ich mit ansehen, wie der Mann die Frau mit acht Messerstichen schwer verletzte“ – mit diesem Zitat beginnt Asmaa Yousufs Bericht von der Jahreskonferenz von DaMigra, einer Organisation, die sich für die Rechte von geflüchteten Frauen stark macht. Darin geht es vor allem darum, wie die Istanbul-Konvention zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und von häuslicher Gewalt auch auf geflüchtete Frauen angewandt werden kann. Den Artikel übersetzen wir gerne!

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