S. Hermann & F. Richter - pixabay.com
16/03/2022

Wir sind besorgt!

Während Sie diesen Newsletter lesen, fällt in Frankfurt die Entscheidung, wie es mit der Evangelischen Journalistenschule weitergeht. Wird sie geschlossen oder konnte der Aufsichtsrat des Gemeinschaftswerkes der Evangelischen Publizistik GEP doch noch einen Weg finden, die angesehenen Ausbildungsstätte für guten Journalismus zu retten? Viele Medien berichten heute darüber. (Hier geht es zu einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung hier zum Tagesspiegel, hier zum DJV.) Amal, Berlin! und Amal, Hamburg! sind Projekte der Evangelischen Journalistenschule und ohne den Leiter der Schule Oscar Tiefenthal gäbe es Amal heute wahrscheinlich nicht. Als er im Winter 2015 gefragt wurde, ob er Amal unterstützen wolle, sagte er: “Klar, machen wir! Besorgt das Geld und wir legen los!”. Das war eine mutige Entscheidung, die ihm zudem jede Menge Arbeit eingebracht hat.

Nun hat das GEP zwar zugesichert, dass Amal auch weiterbestehen kann, wenn die EJS geschlossen wird und es wurden auch schon neue Arbeitsverträge an die Redaktion vergeben. Dennoch ist es eine krasse Zäsur: Soviel zum Hintergrund des Titels in der Subject-Zeile dieses Newsletters.

Natürlich passt sie aber auch insgesamt gut zu der Zeit, in der wir leben. Zur allgemeinen Weltlage wollen wir uns hier nicht noch einmal äußern, dafür lesen Sie uns ja nicht. Wir bieten Ihnen wie gewohnt eine etwas andere Perspektive und so möchten wir Ihnen in dieser Woche ganz besonders den Kommentar von Ahmad Kalaji empfehlen.

Stehlen die syrischen Altflüchtlinge den Ukrainer*innen die Aufmerksamkeit?

Fragt er in seinem Artikel. Ausgangspunkt sind die vielen Social-Media-Posts von syrischen und anderen schon vor längerer Zeit nach Deutschland Geflohenen. Unter uncivilized# protestieren sie dagegen, das von Politik und Medien die Flüchtenden aus der Ukraine als “europäischer” und “zivilisierter” sprich: leichter aufzunehmen dargestellt werden. Diese Kampagne hat zu heftiger Kritik geführt und auch Ahmad Kalaji hat davor etwas abbekommen. “Eine Frau hat mich beschimpft, dass wir Syrer uns nur ins Rampenlicht drängten und dass dies absolut unpassend sei angesichts der Katastrophe in der Ukraine”, schreibt er. Noch während er darüber nachdachte, ob die Kritik wohl berechtigt sei, setzte die Frau nach und forderte ihn auf “nach Hause zu gehen”. Hier geht es zum Kommentar auf Arabisch. Wir übersetzen ihn gern. Sagen Sie uns einfach Bescheid, falls Sie in ihrem Medium veröffentlichen wollen.

Was wird aus den arabischen Studies aus der Ukraine ?

Besorgniserregend ist auch die Lage der vielen tausend arabischen Jugendlichen, die in der Ukraine studiert haben und nun gemeinsam mit ihren Kommiliton*nnen und vielen anderen Menschen nach Deutschland fliehen. Viele klagen darüber, dass sie weniger herzlich empfangen werden und zu manchen der Hilfsleistungen für Flüchtlinge keinen Zugang haben. Gravierender noch ist allerdings, dass sie zum großen Teil kaum eine Chance auf einen Aufenthaltstitel in Deutschland haben. Amloud Alamir hat sich bei Experten und Aktivisten umgehört. Sie sind sich einig: Wenn keine gesetzliche Regel geschaffen wird, werden viele der Studies Deutschland verlassen müssen.  Hier geht es zu ihrem Video:

Der schönste Abend des Jahres

Auch aus der afghanischen Community und insbesondere von den Geflüchteten, die gerade erst in Deutschland angekommen sind, lassen sich derzeit ähnliche Geschichten erzählen: Von Familien, die holterpolter aus der Unterkunft ausziehen mussten, in die sie gerade erst eingezogen waren, um Platz für die Menschen aus der Ukraine zu machen. Und hat man da nicht schnell das Gefühl, dass die neue Unterkunft weniger schön und weniger sauber ist als die, die man aufgeben musste? Aber, wir wollen diese Geschichten hier in dieser Woche nicht ausbreiten, denn es gibt etwas, was viel wichtiger ist und von dem die afghanische Community in Deutschland wohl noch lange sprechen wird. Am vergangenen Freitag gab es in Köln das Konzert des Jahres: Arayana Saeed, Mahdi Mohammad Khani und Rana Mansour traten im Konzertsaal der WDR auf. Was für eine Nacht! Unser Reporter Qadir Wafa war dort und hat uns diesen Podcast mitgebracht.

Bilder: Christian Ditsch, Ahmad Kalaji, Amloud Alamir, Qadir Wafar
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Amal, Berlin! berichtet auf Arabisch und Farsi/Dari über alles, was in Berlin wichtig ist. Gerne übersetzen wir einzelne Artikel auch ins Deutsche und stellen sie Redaktionen gegen Honorar zur Verfügung.

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