Foto: privat
22. Oktober 2021

Wohin führt das Tauziehen zwischen Belarus und der EU?

Draußen vorm Fenster fegt der Sturm über die Stadt. Hier drinnen im Büro gibt es einen Sturm von lauter Fragen. Was ist das Schicksal der Flüchtlinge, die zwischen den Grenzen zwischen Belarus und Polen festsitzen? Sechs Menschen sind schon an der Grenze gestorben. Ist das nicht ein Verbrechen? Wo sind die Leichen? Werden sie dort begraben? Oder werden sie in ihr Land zurückgeschickt? Wie viele Menschen müssen noch sterben, bevor die Europäische Union entschlossen gegen die täglichen Menschenrechtsverletzungen an ihren Grenzen vorgeht?

Fragen aus einer Videoproduktion von Amloud Alamir, die in den nächsten Tagen fertig wird. Sie hat sich mit Haidar getroffen, einem Iraker, dessen Familie zwischen den Grenzen festsitzt. Sie hat die Fotos auf seinem Handy angeschaut (siehe oben), die seine Familie geschickt hat, und die Geschichten gehört, die sie am Telefon erzählten – bis vor ein paar Tagen dann Funkstille war, der Kontakt ist bis heute abgerissen. Haidar ist in großer Sorge. Und diese Sorge steckt an. Das Video wird bekommt deutsche Untertitel, Sie können sich gerne melden, wenn Sie es über ihre Kanäle verbreiten möchten.

Auf der Flucht vor der Einsamkeit

Vergangene Woche hatte Ali Hassanpour das Gespräch mit einer jungen Iranerin aufgezeichnet, die Single ist und ihm erzählte, wie schwer es ist, als Exil-Iranerin in Deutschland einen Mann zu finden. Auf den Artikel gab es fast schon unglaublich viele Kommentare. Manche Leser hatten einfach kluge Ratschläge in petto. Andere wollten Kontakt zu Sarah. Wieder anderen aber hatte diese junge Iranerin aus der Seele gesprochen, und sie teilten ihre eigenen Erfahrungen. Das Thema Einsamkeit treibt viele um. Es gab 18.000 Reaktionen, die Reichweite lag bei 250.000 – selten hat ein Thema auf Amal so sehr die Herzen der Leserschaft berührt.

Ein paar Tage nach dem Erscheinen des Artikels klingelte bei Ali das Telefon. Farhad war dran, ein alter Freund von ihm. 33 Jahre alt, er hat Mikrobiologie studiert, trägt sauber gebügelte Hemden,. „Sarah hat Recht“, brach es aus ihm heraus. „Es gibt hier einfach keine Auswahl.“ Und dann erzählte Farhad seine Version der Geschichte: Dass er als Neu-Deutscher so viel mit so viel anderen Dingen zu tun hat – Sprache lernen, Aufenthaltstitel sichern, Wohnung finden und und und, dass das Thema Liebe immer wieder nach hinten geschoben wird, weil die Energie dafür einfach nicht mehr da ist. Auch für Farhad steht fest: Er sucht jemandem aus seinem eigenen Kulturkreis. Aber sein Eindruck ist: 90 Prozent der Iranerinnen in Deutschland haben von iranischen Männern genug. Sie wollen keine Diskussion um Kopftuch, keine von Gewalt geprägten Beziehungen.

Jetzt warten wir gespannt, was die Amal-Leserinnen zu Farhads Gedanken sagen. Die Kommentar-Funktion ist aktiviert. Und wir überlegen: Ob jetzt, sechs Jahre nach dem Neuanfang, wohl die Zeit gekommen ist wo der Wunsch wächst, sich stärker zu binden?

Fotos: Amloud Alamir/free-photos/pixabay