illustrations: Noah Ibrahim

Wie finden wir aus unseren Schneckenhäusern wieder heraus?

Toll, endlich können wir uns wieder treffen! Freunde, Familie, ausgehen! Aber, was ist, wenn man dazu gar keine Lust hat? Manche Menschen haben sich in den Monaten des Lockdowns das menschliche Miteinander regelrecht abgewöhnt, so scheint es. Welche Spuren hat der Lockdown auf unseren Seelen hinterlassen und wie können wir damit umgehen? Darum geht es in dem Text von Aora Helmzadeh.

Unser Titelbild, die Karikatur von Noah Ibrahim zeigt sie in ihrem ganz persönlichen CORONA-Modus. Sie hat in den vergangenen Monaten viele neue Ideen und Projekte entwickelt. “Ich habe dem Monster in mir ins Auge geblickt und mich mit ihm versöhnt”, beschreibt sie und liefert ein Rezept, wie sich die guten Erkenntnisse aus dem Lockdown auch in die Zeit danach herüberretten lassen. “Man muss gut auf sich aufpassen und jetzt anfangen, seine Träume umzusetzen”, schreibt sie. Hier geht es zu ihrem Text auf Farsi.

Social Media CORONAwissen im Faktencheck

Diese Woche sind wir einmal wieder hauptsächlich mit CORONA, Impfen und den neuen Regeln für den Alltag beschäftigt. Das Leben beginnt, wieder normaler zu werden, aber klar ist auch: Die Pandemie ist noch nicht besiegt. Jetzt gilt es noch durchzuhalten, möglichst viele Menschen sollten die Chance ergreifen und sich impfen lassen. Allerdings sind gerade jetzt viele impf-skeptische Berichte im Umlauf: Zum Teil beruhen sie auf Berichten über Komplikationen, die beim Impfen auftauchen können, zum Teil haben sie die Grenze zu Verschwörungstheorien überschritten. Tag für Tag greifen wir diese Positionen auf und überprüfen sie mit wissenschaftlichen Studien und Expertenmeinungen von Ärzt*innen und Wissenschaftler*innen. Ali Hassanpour hat sich beispielsweise mit der in iranischen Medien verbreiteten Behauptung beschäftigt, dass der menschliche Körper durch das Impfen magnetisch wird, und macht den Faktencheck. Hier geht es zu seinem Text auf Farsi. Auch die Frage, welcher Impfstoff der beste ist, wird unter unseren Leser*innen heiß diskutiert. Hier geht es zum Video, in dem  eine jungen Frau beschreibt, warum sie sich für das Impfen und warum für den einen Impfstoff und nicht für den anderen entschieden hat. Das Video hat unser Schülerpraktikant Sami Talebi gedreht.

Was machen wir mit unserem importierten Antisemitismus?

Diese Frage stellt sich Maryam Mardani und verknüpft  ihren Bericht über eine Veranstaltung zum Thema mit ihrer eigenen Erfahrung: “Wie für viele andere, die im Nahen und Mittleren Osten geboren sind, stand für mich lange Zeit das Wort Israel gleichbedeutend mit Juden. Das war damals, lange bevor ich nach Deutschland gezogen bin. Eine meiner frühesten Erinnerungen zum Thema sind die TV-Nachrichten, die wir Abend für Abend im iranischen Fernsehen sahen. Bilder von jungen Palästinensern, die Steine auf israelische Soldaten werfen. Manchmal sahen wir palästinensische Filme. Sie ähnelten den Nachrichten….Ich kann mich nicht erinnern, dass ich in einem solchen Film je eine israelische Familie gesehen hätte, die bei den Kämpfen Familienangehörige verloren hat….Ich wurde älter und die Bilder wiederholten sich immer wieder und formten das Bild in meinem Kopf. Ich hatte keinen Einfluss darauf….ich migrierte nach Deutschland und wie viele von Euch, besuchte ich Deutschkurse. Wir waren ungefähr 20 Schüler und Schülerinnen aus verschiedenen Ländern. Bei der Vorstellungsrunde stellte ich fest, dass mein Sitznachbar aus Israel kam. “Der Feind sitzt neben dir!”, flüsterte mir eine andere Schülerin ins Ohr. Diese Szene ließ mich nachdenken. Wieso hielt sie ihn für ‘unseren Feind’? Später lernte ich, dass diese Reaktion ein Ausdruck versteckten Antisemitismus ist: In der Kindheit erlernte Stereotypen und Vorurteile zeigen sich im Alltagsverhalten der Erwachsenen. Im Laufe des Sprachkurses unternahmen wir viel zusammen und es trat in Vergessenheit, wer woher kommt.” schreibt sie und blickt dann auf die Studien, die kürzlich vom Mediendienst Integration zum Thema Importierter Antisemitismus zusammengefasst wurden. Hierbei ist klar: Es gibt bei vielen Menschen, die wie Maryam Mardani in autoritären Regimen im Iran oder auch in der arabischen Welt aufgewachsen sind, starke Vorurteile. Sie sind geprägt von der Propaganda der jeweiligen Regime, die einen großen Teil ihrer Legitimation aus dem Schüren von Hass auf Israel und das Judentum ziehen. Zugleich ist auch klar, dass die Migration nach Deutschland bei vielen zum Nachdenken über die eigene Prägung führt. Wie sich die Haltung verändert – so die Studien – kann individuell unterschiedliche ausfallen und ist noch nicht abschließend untersucht. Maryam Mardani hat für sich einen Weg gefunden: “Mein Leben in Berlin, in dieser Stadt mit Menschen aus aller Welt, gibt meinen mitgebrachten Vorurteilen keine Chance. Meine eigene Erfahrung ist, wenn wir mit einander zu tun haben, ist es schwer, einander als Feinde zu betrachten. Die syrische Nachbarin, die israelische Frau, die eine Straße weiter wohnt. Ich kenne sie und manchmal trinke ich Kaffee mit einem Russen, der auch bei uns im Kiez wohnt. Alle sind unterschiedlich, aber wir kennen uns.”, so ihr Fazit. Den ganzen Artikel auf Farsi lesen Sie hier. Ein interessanter Blick auf das Thema, richtig? Wenn Sie diesen Text auch in ihrer Zeitung veröffentlichen möchten, übersetzen wir ihn gerne!

Proteste gegen Abschiebung nach Afghanistan

Das ist das große Thema in der afghanischen Community in Berlin und Hamburg. Dawod Adil hat am Wochenende in eine große Demonstration in Berlin besucht.