Photo: Mutaz Enjila

Nachrichten für die Generation ;-))

Wir sind stolz darauf, dass wir gute Journalisten und Journalistinnen sind. Wir legen Wert auf gründliche Recherche, Fairness unseren Interviewpartnern gegenüber und geben die größte Mühe, wahrheitsgemäß zu berichten. Gleichzeitig wollen wir natürlich unsere Leser und Leserinnen erreichen. Wie sich Nachrichten und Geschichten aus unserer Stadt am besten auf Arabisch und Persisch erzählen lassen, das haben wir inzwischen ganz gut heraus. Aber was ist mit der Generation Insta?

Um die Antworten auf die noch nicht gestellten Fragen vorweg zu nehmen: Ja, natürlich sind auf Instagram und: nein, wir posten keine Katzenvideos. Am Besten, sie folgen uns und spenden uns reichlich Herzchen. Hier geht es zu unserem arabischen Instagram und hier zum Farsi/Dari-Instagram. Dann entdecken Sie dort auch gleich das neue Format, das Ahmad Kalaji und Abdolrahman Omaren entwickelt haben. Das ist unser Versuch, die wichtigsten Nachrichten der Woche aus Berlin für Instagram aufzubereiten. Wie finden Sie es? Feedback ist sehr willkommen.

أخبار برلين

من السيسي للدواعش للأوبان، شو عم يصير في برلين تعالوا نعرف هالشي أكتر مع أحمد..

Gepostet von Amal, Berlin am Sonntag, 16. Februar 2020

 

Hamburg wählt und wir wählen mit


In Hamburg wird an diesem Wochenende eine neue Bürgerschaft gewählt. Nach dem Desaster von Thüringen ist die Stimmung angespannt und man braucht keinen deutschen Pass, um sich Sorgen um die Zukunft zu machen. Nilab Langar, Omid Rezaee, Abbas Al Deiry und Mutaz Enjila haben in den vergangenen Wochen intensiv den Wahlkampf an der Elbe beobachtet. Hier geht es zu unserer Sonderseite zum Thema: Alles rund um die Bürgerschaftswahl auf einen Blick. Omid Rezaee kommentiert die Wahl auf seine ganz besondere Art, Nilab Langar und Mutaz Enjila haben eine Kandidatin der Grünen getroffen und natürlich haben wir auch einen Parteiencheck gemacht und den Parteien unsere Fragen rund um Asyl, Integration, Arbeits- und Wohnungsmarkt geschickt. Ihre Antworten sind in einer kleinen Serie zusammengefasst. Wir haben auch mit neuen Wählern und Wählerinnen gesprochen: Was halten Hamburgerinnen mit arabischen, iranischen oder afghanischen Wurzeln von der Wahl? Wem geben sie ihre Stimme und was sind ihre Hoffnungen?

 

Apropos Parteiencheck

In Berlin wurden in der vergangenen Woche eine neue Partei gegründet: Die Hisb al Ahrar – Liberale Partei. Amloud Alamir hat die Gründerin und frisch gewählte Vorsitzende Yasmin Merhi getroffen und sich das Parteiprogramm genau angeschaut. Was ist von den Liberalen zu erwarten? Welchen Einfluss können sie auf die Ereignisse in Syrien nehmen? Was wollen sie für die syrische Community in Deutschland tun? Hier geht es zum Interview mit Yasmin Merhi.

 

Die Liebe vergeht und was bleibt…..die Kartoffel!


Was ist Journalismus? Mit dieser Frage haben wir uns in dieser Woche auch in einem anderen Zusammenhang beschäftigt. Es ging um die Beiträge zum Valentinstag und die Frage: Wo ist die Grenze zwischen Berichterstattung und Tratsch. Asmaa Yousuf plaudert in ihrem Kommentar zum Fest der Liebe und des Kitsches aus ihrem Liebesleben, beziehungsweise über ihre ganz persönliche Illusion von Romantik. Hört sich gut an, oder? Hier geht es zu ihrem Text auf Arabisch. Maryam Mardani hatte den Vormittag darüber gebrütet, was sie zum 14. Februar zu sagen hat. Irgendwie passten die Gedanken aber nicht zusammen und die Kekse waren auch alle. Sie ging ins Bikini-Haus, die Shopping-Arkade ganz in der Nähe unserer Redaktion und da traf sie plötzlich George. Hier geht es zu ihrem Text auf Farsi.

 

Angebot der Woche

Wenn Sie sich jetzt gerade geärgert haben, dass sie nun erst nach dem Valentinstag davon erfahren haben, dass wir so nette Texte im Angebot haben, dann kommt hier ein Versöhnungsangebot: Diesen Freitag ist ja der Tag der Muttersprache und dazu haben wir einen Text in Vorbereitung. Abdolrahman Omaren ist gerade dabei, seine Gedanken zu formulieren. In der Mache ist ausserdem ein Text von Asmaa Yousuf aus dem Berliner Karneval. Interesse? Dann schreiben Sie uns!

Amal, Berlin! berichtet auf Arabisch und Farsi/Dari über alles, was in Berlin wichtig ist. Gerne übersetzen wir einzelne Artikel auch ins Deutsche und stellen sie Redaktionen gegen Honorar zur Verfügung.

Bitte wenden Sie sich per Mail an:
info(at)amalberlin.de

Fotos: Ahmad Kalaji, Kollage Mutaz Enjila mit Fotos, die uns von den Wählern und Wählerinnen zur Verfügung gestellt wurden

Weitere Artikel zum Thema

„Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt“, Ludwig Wittgenstein.

An meinem ersten Tag in Deutschland nahm ich das Buch „ Deutsch für Anfänger“ und begann darin zu blättern. „Hallo, wie geht es dir?“, war der erster Satz, den ich gelernt habe. Ich weiß noch wie oft ich ihn wiederholte, bis ich ihn einigermaßen aussprechen konnte. Da wusste ich wie schwierig diese Sprache ist und was für ein harter Weg auf mich warten wird. Ich ging durch die Straßen und hörte wie die Menschen um mich herum Gespräche führten, lachten und laut waren – aber ich hörte nur Lärm und verstand nichts. Ich war hilflos und sehnte mich nach Kommunikation. Ich fühlte mich eingeschränkt und diese Grenze begleitete mich durch meinen Alltag. Mein Welt war klein, so klein, dass nur sehr wenige Menschen darein passten. Ich wusste aber, dass die Schule meine Rettung sein würde und träumte davon eines Tages zur Schule gehen zu dürfen. Das wäre der Tag, an dem ich befreit werden würde, dachte ich damals.

In der Schule

Nach langem Warten war ich endlich in der Schule. Ich wurde in eine IVK-Klasse gesteckt, eine Internationale Klasse. Sie war in einem Gymnasium, das bei uns in der Nähe lag. In dieser Klasse lernten wir Deutsch, Englisch und Mathematik. Ich habe nach einer Weile gemerkt, dass ich in dieser Klasse keine deutsche Schüler*innen kennenlernen konnte, sondern die Sprache nur mit meiner Lehrerin praktizierte. In dem Moment wurde mir klar, dass meine Grenzen noch da sind und mein Welt ebenfalls noch klein ist. Sie ist nur stetig ein wenig erweitert worden. In der Pause aß ich mit meiner koreanische Freundin , und wir unterhielten uns mit den wenigen Vokabeln. Später hörten wir auf zu reden und wurden stumm. Der Saal war aber gefüllt mit Schüler*innen, sie lachten, spielten und schrien. Ich saß in der Mensa, guckte sie an und aß still..

In der Oberstufe

Nach einem Jahr in dieser Klasse hatte ich den ESA (Ersten Schulabschluss) geschafft und ich durfte danach in eine normale Klasse gehen. Ich kam in die zehnte Klasse. Der Tag an dem ich diese Klasse betrat, fühlte sich an, als wäre dies mein erster Tag in Deutschland. Nachdem ich die Sprache gelernt hatte, formte sich der Traum eines Tages Abitur zu machen. Mir wurde klar, dass diese Grenze noch da sind. Ich war die einzige Schülerin in der Klasse, deren Muttersprache nicht deutsch war. Ich hatte das Gefühl, die Lehrer*innen konnten mich nicht verstehen. Sie konnten es nicht spüren, ob ich heute den Text besser verstanden hatte als gestern, oder ob ich besser schrieb. Ich habe mich von Tag zu Tag verbessert, nur diese Verbesserungen steckten in einem toten ³Winkel, denn sie waren klein. Meine Lehrer*innen haben es nicht gesehen, wie viele Stunden ich gelernt habe. Sie konnte es nicht verstehen, dass ich manchmal das dreifache an Zeit in eine Aufgabe investieren musste, im Vergleich zu einem normalen Schüler. Diese Lage frustrierte mich immer wieder aufs neue und es gab auch niemandem mit dem ich darüber reden konnte.

Das Schulsystem

Als ich mehr Schüler*innen mit den gleichen Erfahrungen getroffen habe, sah ich, dass auch sie unter diesem Druck litten, viele bleiben bis heute unsichtbar. Ich fragte mich, ob das vielleicht am Schulsystem lag.

Um diese Frage zu beantworten, sollten wir uns die Pisa Studie angucken. Diese Studie untersucht den Bildungszustand der OECD-Länder. Es werden 15-Jährige Schüler*innen in Bereichen der Naturwissenschaften, Mathematik und der Lesekompetenz getestet. Anhand dieser Ergebnisse, stellen sie einen Bericht vor. Im aktuellsten Bericht von 2018 sieht man, dass Deutschland nur knapp über dem Durchschnitt liegt. Auch wird durch diese Studie klar, dass Schüler*innen mit einem Migrationshintergrund vergleichsweise schlechter abschneiden, als die anderen. Es herrscht also keine Chancengleichheit in unserem Bildungssystem. Ich dachte öfter daran aufzugeben und die Schule abzubrechen. Aber dann passierten ein paar richtig gute Dinge.

Über die Grenze hinaus

Der erste Glücksfall war, dass ich nach zwei Jahren ein Stipendium bekommen habe, welches mir nicht nur finanziell half, sondern mir auch Zugang zu Nachhilfe und Büchern gewähret, die speziell auf mich zugeschnitten waren. Die anderen Stipendiaten waren mir ähnlich und ich fühlte mich dort direkt verstanden. Viele hatten auch einen Migrationshintergrund, und ich lernte, dass ich mit meinen Problemen nicht allein war. Ich fing an, mich zu vernetzen.Zweitens lernte ich um Hilfe zu bitten. Anfangs fiel mir das schwer. Aufgaben, die ich nicht verstand, erledigte ich häufig einfach nicht. Später verstand ich, dass man allein nicht alles schaffen kann und muss. 

Drittens verstand ich, ass Noten einen nicht definieren, egal wie sehr das Schulsystem diese Idee verbreiten möchte. Die Zeiten in der Schule sind dafür da, damit man seine Identität näher kennenlernt. Man muss sich ausprobieren und herausfinden wo die eigenen Stärken liegen. Unterwegs kann man immer wieder auch mal scheitern. Man sollte aus Fehlern lernen können und nicht von ihnen definiert werden.

Shereen Sayda