Dawod Adil

Weihnachten feiern wie die Deutschen

Wie geht es Euch und Ihnen im zweiten Lockdown? In der Redaktionskonferenz am Montag haben wir eine kleine Umfrage gemacht und festgestellt, dass es gerade nur Schwarz und Weiß gibt und wenig dazwischen. „Viel besser als beim ersten Mal“, sagten die einen. Sie seien jetzt innerlich gut darauf vorbereitet, sich wieder zurückzuziehen, hätten viel weniger Angst und das Gefühl, dass die Einschränkungen ja auch wieder vorbei gehen. „Hundsmiserabel“, sagten die anderen, sie fühlen sich richtig elend, weil ihre Strategien aus dem Frühling nicht greifen. Der Himmel sei grau, die Luft nass, lange Spaziergänge im Sonnenschein, Spielen im Park und die Aussicht auf den Sommer gibt´s grad nicht. Die Angst vor der Infektion mische sich mit Winterblues zu einer grauen Suppe.

Deutlich ist: Auch in dieser zweiten Runde erleben unsere Leserinnen und Leser Amal als einen wichtigen Begleiter im Lock-Down-Alltag. Wieder steigen die Nutzerzahlen rasant, und das vor allem bei Beiträgen rund um die Themen Infektionsgeschehen, Intensiv-Betten, Impf-Stationen und Corona-Debatte. Auch die Frage, wie die deutsche Wirtschaft mit dem Virus klarkommt, ist für die Amal-Leser*innen spannend. Daneben hatten wir auch in dieser Woche ein paar Geschichten, die wir Ihnen als deutsche Medienschaffende hier anbieten möchten.

Mutter im Corona-Fieber

Nilab Langar hat es erwischt, und zwar so richtig. Nach einem (kleinen!) Familientreffen war erst ihr Mann corona-positiv, dann sie selber. Auf Amal erzählt sie, wie schwer sie die Krankheit getroffen hat. Und wie schwierig es ist, als Familie komplett krank in Quarantäne zu gehen – mit einem Vorschulkind, das sie am liebsten jeden Tag knuddeln und liebhaben würde – aber das nun nicht darf, sondern versuchen muss, den größt möglichen Abstand zu halten. Während Nilab mit dem Fieber, den Schmerzen und ihren Gefühlen kämpfte, wurde ihr plötzlich noch etwas ganz anderes klar – nämlich wie schwierig es für ihre Eltern sein muss zu ertragen, dass die Töchter ins Exil gehen mussten und nun weit weg sind, ohne Chance auf Knuddeln und Liebhaben und die Nähe, die Eltern sich zu ihren Kindern oft wünschen. Diesen Artikel übersetzen wir gerne!

Forscher für den Impfstoff

Nowras Rahhal ist Wissenschaftler, er erforscht neue Wege, um die Menschen gegen Corona zu impfen. Der 27jährige Palästinenser hat bis vor kurzem am Max Planck Institut in Potsdam an einem neuen Verfahren gearbeitet, bei dem der Impfstoff auf die Haut aufgetragen wird. Der Vorteil wäre, dass man deutlich geringere Dosis verabreichen müsste. Bei der riesigen Zahl von Menschen, die auf den Impfstoff warten, wäre das super. Im Gespräch mit Amloud Alamir erzählt Rahal seine Geschichte: Wie er als Palästinenser in Syrien aufgewachsen ist und als Staatenloser sich seinen Weg in den internationalen Wissenschaftsbetrieb gebahnt hat. Den Artikel übersetzen wir gerne für deutsche Medien.

Salon aus dem Wohnzimmer

Der Amal Salon fand am vergangenen Freitag so richtig im Wohnzimmer statt. Eine Band ins Studio einzuladen ist derzeit ja unmöglich. Zu viele Menschen, zu viele Haushalte, zu großes Risiko und zudem verboten. Gastgeberin Aora Helmzadeh fand eine tolle Lösung für das Problem: Sie lud Jubin and his Artist Family ein, die den Salon als echtes Familien-Event gestalteten. Vater, Mutter und die Kinder bilden ein tolles kleines Orchester, und ihre Musik funktioniert ohne Worte. Zum Nachhören gibt’s das Konzert hier.

 

Im Salon am Freitag, 18. Dezember ist der bekannte Psychiater Basel Allozy zu Gast. Er wird über die psychischen Probleme von Geflüchteten sprechen. Gastgeber ist Anas Khabir. Natürlich geht es dabei auch um die Frage, wie man einigermaßen gelassen und gesund durch diesem so ganz anderen deutschen Winter kommt.

Politisch mitreden

Amal-Autor Khalid Alaboud hat den Artikel, den er für das Tagesspiegel-Projekt geschrieben hat, auch in seiner eigenen Facebook-Seite veröffentlicht. Freunde gratulierten in den Kommentaren, sie schickten Herzchen und Blumen. In seinem Artikel beschreibt Khalid den langen Weg vom Aufbruch aus Syrien mit kleinem Gepäck und großen Träumen – und bis zum heutigen Tag, wo er in der Fremde anfängt Wurzeln zu schlagen. Eine der größten Herausforderungen sieht er darin, politisch mitreden zu können. Noch reden die Politiker meist nur über die Geflüchteten. „Aber sie müssen auch mit uns reden“, sagt er. Khalid ist überzeugt, dass die zarten Wurzeln wachsen werden – und eines Tages wird der Baum Früchte tragen. Früchte, von denen er allen abgeben möchte. Den Artikel finden Sie hier (Amal, Arabisch) und hier (Tagesspiegel, Deutsch).

 

Anwältin für Menschenrechte

Vergangene Woche haben wir an dieser Stelle schon von der Sonderbeilage zum Tag der Menschenrechte gesprochen, die Tagesspiegel, Körber-Stiftung und Amal gemeinsam produziert haben. Darin finden Sie das Interview mit der Anwältin Joumana Seif, die im Prozess gegen Angehörige der syrischen Geheimpolizei in Koblenz dabei ist. Dass sie Jura studierte und  Menschenrechtsverletzungen vor Gericht bringt, hat auch familiäre Gründe. Ihre Brüder und ihr Onkel sind unter Assad verschwunden, ihr Vater saß – obwohl Abgeordneter im Parlament – lange im Gefängnis. Zum Video geht es hier (Tagesspiegel) und hier (Amal).

 

Weihnachten wie die Deutschen feiern

 

Weihnachten wie die Deutschen feiern – das wäre super, meinte ein junger Afghane, den Dawod Adil bei einer Straßenumfrage traf. Viele Deutsche wissen ja gerade nicht, wie sie die Feiertage corona-konform gestalten können. In der afghanischen Community wird das mit viel Anteilnahme beobachtet. Auch wenn Weihnachten kein muslimisches Fest ist – die Grundidee ist vertraut: Als Familienfest, bei dem eigentlich alle zusammen sein wollen. Ein bisschen wie Nowruz, das Neujahrsfest. Im Gespräch denkt der junge Afghane kurz nach. „Ich bin ja alleine hier“, sagt er dann. Lacht. Und wünscht allen Deutschen fröhliche Weihnacht. Wir schließen uns an. Hier geht’s zu der kleinen Umfrage, sie hat deutsche Untertitel.

Fotos: Dawod Adil, Nowras Rahhal, Jordan Whitt on Unsplash

Amal, Berlin! berichtet auf Arabisch und Farsi/Dari über alles, was in Berlin wichtig ist. Gerne übersetzen wir einzelne Artikel auch ins Deutsche und stellen sie Redaktionen gegen Honorar zur Verfügung.

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