Die wenigen Bilder, die wir im Moment von den Protesten im Iran sehen, sind grausam. Brutal geht das Regime gegen die Menschen vor, die auf die Straße gehen. Um diese Proteste soll es in diesem Newsletter nicht gehen, oder nur indirekt. Unser Thema ist das, was auf unseren Straßen passiert. Haben Sie in den letzten Tagen und Wochen auch solche Demonstrationen von Iraner:innen im Exil gesehen? Sie tragen die grün-weiß-rote Fahne des Iran, doch statt des Symbols der islamischen Republik ist in der Mitte das Bild des tapferen Sonnenlöwen zu sehen. Dazu die Bilder von Reza Pahlavi und oft tragen sie darüber hinaus auch israelische Fahnen. Derzeit spielen die sogenannten Monarchisten in der Exil-Opposition eine große Rolle. Auch in Kommentarspalten und Analyse-Artikeln deutscher und internationaler Zeitungen wird inzwischen der Sohn des 1979 gestürzten Schahs als beste Option für einen Neuanfang im Iran gehandelt. Warum? Hier spielen die iranischen Auslandsmedien eine große Rolle. Sender wie „Iran International“, der mit Geldern aus Saudi Arabien finanziert ist und das Ziel hat, das Regime in Teheran zu stürzen, nehmen Partei für Reza Pahlavi. Der Sender hat gerade unter Iraner:innen im Ausland großen Einfluss. Zudem sind Fakes im Umlauf: So kursierten Videos von Demos im Iran, bei denen Rufe nach Pahlavi laut wurden. Später stellte sich heraus, dass diese Videos bearbeitet wurden. Die Demonstranten hatten nach Freiheit verlangt. Stellen wir uns hinter den Sohn eines Diktators, der eine neue Diktatur errichten will, um die aktuelle Diktatur loszuwerden? Der Internet Blackout macht es den Exilakteuren gerade einfach, im Namen der Protestbewegung im Iran zu sprechen, da Stimmen aus dem Iran derzeit nicht gehört werden können. Pragmatismus spielt aber sicher auch eine Rolle beim rasanten Aufstieg von Reza Pahlavi als Held der iranischen Opposition. Zum ersten Mal seit vielen Jahren sieht es so aus, als könnte das Regime der islamischen Republik tatsächlich ins Wanken geraten und mit dem derzeitigen US-Präsidenten gibt es eine Chance, dass der Aufstand internationale Unterstützung bekommt. Klar ist auch, dass dies nur mit einem Akteur gelingen kann, der das Wohlwollen von US-Präsident Donald Trump gewinnt. Soweit ist Reza Pahlavi noch nicht, aber man traut es ihm zu. |