21/12/2023

Highlights 2023

2023 war ein aufregendes Jahr. Es ist viel passiert; in der Welt und auch in unserer Redaktion. In diesem Newsletter blicken wir zurück. Aber, keine Angst: Bei uns finden Sie nicht zum x. Mal die Liste der Krisen, die das vergangene Jahr erschüttert haben. Wir möchten Sie vielmehr mitnehmen hinter die Kulissen von Amal. Willkommen in unserem Maschinenraum!

Auf dem Titelbild sehen Sie eines unserer Lieblingsstücke: Den wöchentlichen Nachrichtenüberblick für die afghanische Community. Zwischen der Ausgabe links und der Ausgabe rechts liegen ziemlich genau 12 Monate. 2023 ist es gelungen dieses Programm, dass 2022 als Pilot-Sendung begonnen wurde, zum Fliegen zu bringen. Besonders stolz sind wir, dass es nicht nur ein bisschen “flattert”, sondern tatsächlich in den Langstreckenflugmodus gewechselt ist: Mit wenigen Aussetzern, haben wir Woche für Woche ein News-Update gepostet.

Nachdem der Erfinder des Formats Ali Hassanpour im Februar 2023 Amal verlassen hat, um eine volle Stelle als Korrespondent bei Iran International anzutreten, übernahm Dawod Adil die Produktion und Nilab Langer die Position als zweite Moderatorin neben Noorullah Rahmani. Eine gute Wahl! Professionell und mit viel Charme trifft sie offensichtlich den Nerv der wachsenden afghanischen Leser:innenschaft von Amal. Neben aktuellen Nachrichten aus  Deutschland und Europa finden die Zuschauer:innen hier Updates auch zu den wichtigen Themen, die derzeit die afghanischen Community beschäftigen. Kontinuierlich wachsende Zugriffszahlen und rege Diskussion auf Facebook zu den Themen der wöchentlichen Sendung machen dieses Videoformat zu einem 👑👑👑-Format 2023.

Mehr Highlights

Amal ist 2023 noch einmal kräftig gewachsen – von 19 auf 26 Journalist:innen, die mit je einer halben Stelle bei Amal angestellt sind. Parallel dazu ist auch die Zahl unserer Leser:innen kräftig angestiegen. Das gilt für alle unserer Kanäle: Die Webseite, Facebook und Instagram und für alle Sprachen: Arabisch, Dari/Farsi und Ukrainisch.

Ein neues Studio

Für Amal, Berlin! ist mit dem neuen Jahr 2023 ein Traum wahr geworden. Wir haben jetzt ein eigenes Studio, ausgerüstet mit modernen Kameras und professionellem Licht, mit Greenscreen, passender Akustik und festem Schnittplatz mit Live-Schnitt-Option. Möglich wurde dies durch den Umzug in ein eigenes Büro im Dezember 2022. Hier entstehen unsere Talk-Formate, es werden regelmäßig Interviews aufgezeichnet und hier wird natürlich auch der wöchentliche Nachrichten-Update für die afghanische Community produziert.

Amal-Redakteurin Amloud Alamir startete 2023 ihr Talk Programm Sununu – Regelmäßig lädt sie interessante Personen aus der syrischen Community ins Amal-Studio zum Gespräch ein.

Amal  in Frankfurt

Am 10. Januar 2023 ging die Webseite Amal, Frankfurt! online. Sie bietet das Neueste vom Tage und aktuelle Berichte aus dem Rhein-Main-Gebiet auf Arabisch, Dari/Farsi und Ukrainisch. Dem vorausgegangen waren vier Monate intensiver Vorbereitung. In einem bezahlten Praktikum (ermöglicht durch den Frankfurter PresseClub e.V.) haben sich sechs Exil-Journalist:innen auf das journalistische Arbeiten in Deutschland vorbereitet. Die Amal-Kolleg:innen aus Berlin und Hamburg teilten ihr Wissen und ihre Erfahrung mit den neuen Team und halfen, Content und Struktur für die Rhein-Main-Ausgabe von Amal zu entwickeln. Gefeiert wurde der Launch einem Fest in den Räumen der Crespo Foundation, die wesentlich zur Finanzierung der Redaktion beiträgt. Das Medienecho war überwältigend. Die neue Redaktion hat sich ihre Zielgruppen schnell erobert.

Hessischer Integrationspreis

Die Arbeit hat sich gelohnt: Am 10. Oktober 2023 überreichte Hessens Sozial- und Integrationsminister Kai Klose (Grüne) den Hessischen Integrationspreis an das Team von Amal, Frankfurt! Das Motto des Wettbewerbs war in diesem Jahr „Engagement und Repräsentanz in den klassischen und sozialen Medien“ – und zielte damit genau auf den Ansatz von Amal – nämlich ein Nachrichtenmedium zu schaffen, dass Geflüchtete, Neu-Angekommene und andere migrantische Communities auch erreicht. Der Festakt im Biebricher Schloss zeigte, wie schnell sich das Amal-Team in der Region etabliert hat.

Training – Neue Formate

Im März 2023 war das Team vom Vocer Institute zu Gast bei Amal. Finanziert von der Google News Initiative organisierten sie einen zweitägigen Workshop zum Thema Innovation. Am Beispiel von Podcast lernte das Team, neue Formate zu entwickeln und umzusetzen – von der Analyse der Bedürfnisse der Zielgruppe auf der Basis von Personae,  über Ideenskizzen, Umsetzung eines Prototypen und Testen desselben – immer in enger Rückkopplung mit den User:innen. Die diesem Workshop zugrunde liegende Methode des Millenial Lab lässt sich auch auf andere Projekte übertragen und leistete gute Dienste zum Beispiel bei der Entwicklung neuer Nachrichtenformate im Herbst 2023.

Neue Formate für die Nachrichten

Die Nachrichten und Berichte von Amal kommen zu einem großen Teil über Social Media Kanäle zu den Leser:innen. Diese sind ständigem Wandel unterworfen. So hat Facebook in den vergangenen Monaten das Engagement für Nachrichten stark reduziert. Die Reichweiten für journalistischen Content sind auf dieser Plattform – nicht nur für Amal, sondern für die Medienbranche insgesamt – stark geschrumpft,  weil der Algorithmus diesen kaum noch ausspielt. Für Amal heißt das, sich immer wieder neu zu erfinden. Zum legt das Team derzeit deutlich mehr Fokus auf Instagram und präsentiert die Nachrichten dort in stark visuellen Formaten. Zum anderen haben wir in einem intensiven Workshop Anfang November 2023 neue Nachrichten-Formate in Form von Reels entwickelt. Sie sollen auf Instagram und Facebook ausgespielt werden und können auch in die Webseite eingebunden werden.

Amal on Tour Niedersachsen

Vom 24. April bis 7. Mai 2023 war das Team von Amal, Berlin! für ein Rechercheprojekt im ländlichen Raum in Niedersachsen unterwegs. Ziel war zu erkunden, wie Integration außerhalb der Ballungsräume gelingen kann, welche Chancen und welche Hindernisse es gibt. Das Team fuhr für diese Reportagen in einem VW Bus über die Dörfer, besuchte Aktivisten, Initiativen, Hilfsorganisationen und Projekte und sprach mit den Betroffenen. Für viele gerade im ländlichen Raum war es das erste Mal, dass sie mit Journalist:innen in ihrer Sprache sprechen konnten. So entstanden mehr als 15 Reportagen, Interviews und Videos, die auf Amal und auf evangelisch.de veröffentlicht wurden. Dieses Projekt entstand in Zusammenarbeit mit der Evangelisch-Lutherisches Landeskirche Hannovers. Ein Interview mit Landesbischof Ralf Meister zur Flüchtlingsarbeit in der Region rundete das Projekt ab.

Amal on Tour im Rheingau

Kurz vor den Sommerferien ging sich dann auch das Team von Amal, Frankfurt! auf Tour.  Ziel: Das Rheingau, mit einem interkulturellen Abend in Rüdesheim, wo nach Ansicht vieler Touristen Deutschland am Deutschesten ist.  Was die meisten Reisenden nicht wissen: Auch hier gibt es Shisha-Bars und andere Treffpunkte und eine lebendige arabische, afghanische und ukrainische Community. In einer Reihe von Interviews hat das Team Menschen vorgestellt, die dort angekommen sind. Gefördert wurde die Recherche von der EKHN-Stiftung.

Ukrainische Korrespondentin in Hamburg

Seit Juni 2023 berichtet Amal auch aus Hamburg auf Ukrainisch. Dank der Unterstützung durch die Zeit-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius konnte das Team in der Hansestadt um eine Journalistin aus der Ukraine erweitert werden. Sie fungiert als Korrespondentin und macht regelmäßig Berichte und Reportage aus Hamburg. Gleichzeitig unterstützt sie die Teams in Berlin und Frankfurt bei den Nachrichtenschichten. Hervorzuheben ist hier insbesondere, dass es der Kollegin gelungen ist, den Kontakt zur jüdischen ukrainischen Gemeinde in Hamburg herzustellen und zu pflegen.

Update Deutsch

Auf Deutsch zu schreiben, Videos zu produzieren oder an Podiumsdiskussionen teilzunehmen ist für die meisten im Amal-Team auch acht Jahre nach der Flucht noch immer selten. In einem intensiven und passgenauen Sprachlernprogramm sind sieben Kolleg:innen von Amal, Berlin! in diesem Jahr dem Ziel einen großen Schritt näher gekommen. Gefördert vom European Center for Press and Media Freedom konnten sie ihr mündliches Deutsch stark verbessern und erste Artikel schriftlich so ausarbeiten, dass sie in deutschen Medien veröffentlicht wurden. Ein Höhepunkt des Programms war ein zweitägiges Moderationstraining mit anschließendem Praxistest, bei dem die Amal-Journalist:innen eine Veranstaltung im Rahmen der Tage des Exils moderierten.

Tage des Exils

Erstmals war Amal in 2023 mit einer Veranstaltung im Rahmen der Tage des Exils dabei. In Kooperation mit dem Tagesspiel und gefördert vom JX Fund organisierte das Team eine Diskussion unter der Überschrift „Aus 2015 lernen: Geflüchtete Journalsit:innen im Dialog“. 2015 kamen viele Journalist:innen aus Syrien und Afghanistan nach Deutschland. 2022 flohen Medienschaffende im Zuge des Ukraine-Kriegs hierher. Inwiefern unterscheidet sich ihre Lage? Wie können Neuankömmlinge von den Erfahrungen der zuvor Eingetroffenen profitieren? Wie stellt sich ihnen die deutsche Medienlandschaft dar, und was können sie aus der Ferne für ihre Länder bewirken? Das Netzwerktreffen diente der Vorstellung von Projekten von und für Exil-Journalist:innen und dem Erfahrungsaustausch.

Amal bei der re:publica

Auch bei der re:publica war Amal in diesem Jahr zum ersten Mal dabei. Orientierung, Vernetzung, eigene Stimme: Was leisten Medienplattformen von Geflüchteten für Geflüchtete? Die Idee dahinter:  Wer vor Krieg oder Verfolgung nach Deutschland geflohen ist, findet unabhängige, zugängliche Informationen und Nachrichten für diese Lebenslage meist weder bei Medien aus der Heimat noch bei deutschen Medien. Was leisten Nachrichten- und Informationsplattformen von Geflüchteten für Geflüchtete, um diese Lücke zu füllen? Auf dem Podium waren Amal, Handbook Germany und Reporter ohne Grenzen vertreten. Organisiert wurde das Panel von der Evangelischen Akademie Berlin.

Noch ein Lieblingsstück

Es können hier nicht alle tollen, spannenden Projekte und Formate vorgestellt werden, die im vergangenen Jahr bei Amal entwickelt wurden. Auch darauf sind wir stolz: Es ist nämlich ganz schön viel entstanden. Dennoch soll ein Projekt soll hier stellvertretend für die anderen hervorgehoben werden: Der Podcast “Du bist nicht allein”, den Samah Shaghdary aus der Hamburger Redaktion produziert. Es ist sozusagen das Gegenteil des Nachrichten-Updates für die afghanische Community, denn “Du bist nicht allein” wendet sich an eine sehr spezielle Zuhörerschaft: Arabischsprechende Geflüchtete mit Behinderung. Das ist eine sehr schmale Zielgruppe, doch eine, für die es bislang so gut wie keine Angebote gibt.

Ausblick 2024

Und wie geht es weiter? In unserem Team-Retreat im November 2023 haben wir intensiv über neue Strategien und Formate diskutiert. Zum Beispiel darüber, wie wir mit den veränderten Nachrichtengewohnheiten der Leser:innen umgehen können und wie wir auf die neuen Algorithmen und die Abkehr vom Nachrichtengeschäft der Meta-Plattformen reagieren sollen. Wir haben auch darüber diskutiert, wie wir ChatGPT und Co nutzen können, um den Journalismus besser und nicht schlechter zu machen? Sie sehen: Wir sind bereit für 2024 und viele neue spannende Experimente, wie wir unsere Communities noch besser informieren können.

“Nur wer weiß, was passiert, kann sich beteiligen und mitreden!”

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen und eine schöne Woche!

Viele Grüße vom Amal-Team