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Rosa, Schneewittchen und die arabische Welt

Freitag 18. Januar 2019

Es war düster und grau und nass am vergangenen Sonntag. So verregnet war der Morgen, dass nicht mal der Hund vor die Tür wollte. Trotzdem machte sich Asmaa Yousouf auf den Weg zur Gedenkveranstaltung für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. 100 Jahre ist es her, dass die beiden ermordet wurden – Anlass auch bei Amal, Berlin!, sich auf Spurensuche zu begeben. Unter Regenschirme geduckt, mit hochgeschlagenen Kragen, die roten Fahnen in klammen Händen demonstrierten Sozialisten und Kommunisten wie jedes Jahr und legten Kränze und Nelken unter das Denkmal.

Mit Geschichten

Auch in der arabischen Community in Berlin ist Rosa Luxemburg bei vielen noch immer Vorbild. Asmaa Yousouf traf sogar eine Frau, die sagte: „Ich werde meiner kleinen Tochter nicht von Schneewittchen erzählen“, sagt… „Ich möchte nicht, dass Ihr Selbstbild von kleinen Prinzessinnen geprägt ist. Ich erzähle ihr von Rosa und – mindestens ebenso wichtig – von den Kämpfen in der arabischen Welt, die mindestens genauso wichtig waren wie der Kampf den Rosa Luxemburg ausgefochten hat.“ Auch diese Umfrage übersetzen wir im Rosa-Jubiläumsjahr gerne für deutsche Medien

Mit Heimat

„Wenn Rosa Luxemburg heute noch unter uns weilte – was wären dann ihre politischen und sozialen Themen“, fragte Omid Rezaee die Politikerin Sarah Wagenknecht im Interview. Und: „Wie würde sie mit den Themen Einwanderung, Asyl und Integration umgehen?“ Das Interview finden Sie hier.

Ohne Heimat

Vor wenigen Tagen erschien die neue CD von Aeham Ahmad. Er hat sie zusammen mit dem Cellisten Cornelius Hamel eingespielt, sie heißt “Connect Culture”. Aeham Ahmad ist bekannt als der „Pianist in den Trümmern“, ein Video zeigt ihn im Lager Jarmuk, wie er an seinem Klavier saß und spielte, während ringsum eine Welt zerfiel. Dieses Video machte ihn weltweit berühmt, aber was noch wichtiger war: Es zog die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Lage in Jarmuk. Heute lebt Aeham Ahmad mit seiner Familie in Deutschland. Amloud Alamir hat ein bewegendes Porträt von ihm geschrieben. „Nichts verbindet mich mit Wiesbaden“, sagt er. „Ich wollte immer zurück nach Syrien – aber nicht im Schatten von Bashar Assad und seiner Flagge.“ Er denke jetzt oft an seinen Großvater, der davon geträumt hatte, eines Tages nach Palästina zurückzukehren. Er starb, ohne seine Heimat wiedergesehen zu haben.

Mit Grenzen

Mit Entwurzelung beschäftigt sich auch der syrische Künstler Ihsan Abu Said, der gerade eine Solo-Ausstellung im Galerie-Café Naya in Berlin eröffnet hat. Samer Masouh hat den Künstler getroffen. „Es geht um Tabus“, verriet der. Sein großes Thema sind die Barrieren zwischen den Menschen – zwischen Deutschen und Syrern, Amerikanern und Syrern, aber auch zwischen dem einen Syrer und dem anderen. Ein paar Eindrücke von der Vernissage finden Sie hier.

Mit Zukunft

Das „House of One“ wird nun gebaut. Der Versuch, Christen, Juden und Muslime unter einem Dach zum Gebet zu versammeln, geht in eine neue Phase. Bislang gab es in Berlin nur einen Pavillon, der für die Idee warb, und viele Gespräche. Mehr als 4.000 Besucher aus 15 Ländern kamen, um sich zu informieren. Jetzt gibt es einen Termin für den Baubeginn: Am 14. April 2020 geht es los. Ein Bericht von Negin Behkam.

Ohne Zukunft

Tja, und dann wurde noch mitten während des Asien-Cups der deutsche Trainer der syrischen Fußball-Nationalmannschaft entlassen. Das Team kassierte schon in den Vorrunden zu viele Tore. Stange wurde geschasst. Für Khalid Alaboud war das Anlass für ein persönliches Porträt dieses Mannes, der „in mehr als einer Pressekonferenz schon das Trikot eines Kriegsverbrechers getragen hat“, wie Alaboud schreibt. Stange war eins inoffizieller Mitarbeiter der Stasi, bereitete unter Saddam Hussein das irakische Team auf Olympia vor und trainierte später dann das Team vom Oman. Jetzt sollte er mit der syrischen Nationalmannschaft das Image eines Diktators aufzupolieren, der Hunderttausende Tote auf dem Gewissen hat. Stange selber sagt seinen Kritikern immer wieder: Die Anhänger des Teams sagen: Haltet Sport und Politik auseinander. Aber wie soll das gelingen?

Mit Vergnügen

Daneben gab es diese Woche auf Amal natürlich wieder noch ganz viel und auch die heißesten Kultur- und Ausgehtipps der Stadt.

 

Photo: Asmaa Yousouf

Amal, Berlin! berichtet auf Arabisch und Farsi/Dari über alles, was in Berlin wichtig ist. Gerne übersetzen wir nach Neujahr einzelne Artikel auch ins Deutsche und stellen sie Redaktionen gegen Honorar zur Verfügung.

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