Januar 13, 2019

Seehofer und die Zeitmaschine

Der brutale Angriff von einigen jugendlichen Syrern auf einen Club in Frankfurt/Oder im August war der Ausgangspunkt: Seitdem wird intensiv darüber diskutiert, ob und wie kriminelle Geflüchtete abgeschoben werden können; auch nach Syrien. Asmaa Yousouf ist nach Frankfurt/Oder gefahren und hat sich umgehört. Was sagen die Menschen im Umfeld des Clubs? Was sagen die Stadtpolitiker_innen? Wie wird das Thema in der arabischen Community diskutiert? Diese Woche hat sie für uns einen Kommentar geschrieben. Ihr Fazit: Die Themen Strafe und Abschiebung sollten getrennt bleiben. “Wir leben in einer Zeit, die von Hass und Gewalt geprägt ist. In der neuen Debatte wird in zweierlei Sorten Mensch unterschieden”, schreibt sie, “und zweierlei Gesetz angewandt.” Sie und fast alle ihrer Freund_innen haben schon Sätze gehört wie: “Geh doch nach Hause”. “Das ist nicht mehr lustig”, schreibt sie. Das Rechtssystem sei Ausdruck des Wertesystems einer Gesellschaft – und diese sei auf dem Weg zurück in Zeiten, wo die Menschen schwiegen, während die Nazis andere verbrannten; oder als die Ägypter in den Straßen jubelten, während Präsident Sissi Hunderte andere an einem Tag töten ließ. „Es kommt mir manchmal so vor, als benutze Bundesinnenminister Horst Seehofer eine Zeitmaschine, die uns ins Mittelalter zurückbringt. Das ist kein Spiel, sondern sehr gefährlich, denn: Was ist, wenn die Zeitmaschine zerbricht und wir nicht mehr wieder in die Gegenwart, in die Zivilisation zurückkehren können?“ Hier geht es zu ihrem Kommentar auf Arabisch.

Sei kein Feigling! Lebe für immer als Teenie!

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Diesen Ratschlag gibt der syrische Schriftsteller und Dichter Huschnak Osy seinen Leser_innen. Neulich stellte er in Berlin seinen neuen Roman vor: “Party der unbegrenzten Illusionen”. Anas Khebir hat ihn getroffen und in einem Video Inhalt und Wirkung des Buches eingefangen. Wie alle Videos von Amal, Berlin! hat es deutsche Untertitel. Hier geht es zum Video.

Was heißt “einstweilige Verfügung” auf Kurdisch?


Alltag in Deutschland bringt für viele Neuangekommene oft ganz praktische Probleme mit sich: Da kommt ein Brief von einem Amt und man versteht nur Bahnhof? Ähnlich ergeht es vielen Rechtsanwält_innen, wenn sie Schriftstücke ihrer Mandant_innen aus Syrien in die Hand bekommen. Wer weiß schon, was Erbteilung auf Arabisch heißt? Der syrische Jurist Galal Amin hat nun ein deutsch-arabisch-kurdisches Lexikon mit juristischen Fachausdrücken veröffentlicht. Khalid Alaboud hat es sich angeschaut.

Über diese und viele weitere Themen haben wir in dieser Woche auf Amal, Berlin! berichtet.

 

Bilder: epd, Anas Khebir, Khalid Alaboud