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Von Feindschaften und Freundschaften

Dienstag 16. Januar 2018

Manchmal ist es schwierig, miteinander auszukommen. Mit Feindschaften unter Flüchtlingen beschäftigt sich Abdol Rahman Omaren in einem sehr persönlichen Kommentar. Er hat beobachtet, dass immer wieder Flüchtlinge andere Flüchtlinge hart angehen. Sein Verdacht: Die einen gönnen den anderen den Erfolg nicht, wer etwas geschafft hat muss damit rechnen, anschließend fertig gemacht zu werden. Man sollte denken, dass Horror-Erlebnisse wie Krieg und auf der Flucht verbinden, weil alle ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Auch das Hoffen auf Unterstützung vom Jobcenter und die Mühen im Sprachkurs sollten verbinden. „Aber all das hat ihre Herzen nicht warm gemacht“, schreibt Abdol Rahman und ermutigt alle, vor dem Einschlafen den Funken Hoffnung zu nähren, der ein unterstützendes und wohlwollendes Miteinander ermöglicht.

Vielleicht sollten die deutschen Politiker vorm Einschlafen mal warme Gedanken üben. Noorullah Rahmani fasst die Ergebnisse der Sondierungsgespräche in einem Hintergrundartikel zusammen. Da geht es um Familiennachzug, Steuersatz, Bürgerversicherung. Und darum, warum sich die Parteien nun schon so lange streiten.

Möglicherweise war es schlicht ein Fehler in der Übersetzung, der dazu führt, dass der Asylantrag eine Frau abgeleht wurde. Ihre Geschichte reicht Generationen zurück – sie kommt aus einer Familie, die vor mehr als hundert Jahren in den Süden von syrien eingewandert ist. Ihre Haut ist dunkel, ihre Nase breit. Es kann nicht sein, dass sie Syrerin ist, befand das BAMF. Untertitel zu dem Film von Anas Khabir finden Sie hier in den nächsten Tagen.

Ein langer Streit ist in der vergangenen Woche zu Ende gegangen: Die Gerhard-Hauptmann-Schule in Kreuzberg ist nun geräumt. Omid Rezaee (Dari/Farsi) und Khalid Alaboud (Arabische Seiten) haben die Chronik der Ereignisse zusammengefasst, die mit den Protesten von Geflüchteten gegen die Residenzpflicht 2012 begannen.

Dass die Wohnungssuche in Berlin immer schwerer wird, wissen alle. Geflüchtete sind besonders betroffen. In einer Reportage von Khalid Alaboud erzählt ein Syrer, wie er sich 74 mal um eine Wohnung beworben hat, und immer noch keine mieten konnte. Nicht mal eine Typveränderung – Bart ab – würde da helfen. Denn sein Name ist Jihad – und das hat bislang jeden Vermieter abgeschreckt.

Vom Treffen von „Ärzte helfen Ärzten“ berichtet Amloud Alamir.Bei diesen regelmäßig stattfindenden Treffen geht es vor allem um die Frage, wie geflüchtete Ärzte im deutschen Gesundheitswesen Fuß fassen können – vom Sprachkurs bis zur Anerkennung der Studienabschlüsse, von Nachtschichten allein im Krankenhaus bis zu Praktika in der Arztpraxis.

Von gleich zwei kulturellen Highlights berichtet Samer Masouh: Zum einen war da „Diva – Celebrating Oum Kalthoum“ mit dem Wedding Orchestra for Middle Eastern Music und der der Sängerin Ruth Rosenfeld im Theater Hebbel am Ufer. Das Konzert war zuvor heftig kritisiert worden, weil eine israelisch-amerikanisch-berlinerische Sängerin die Lieder der ägyptischen Künstlerin interpretierte. Aber das Publikum war begeistert. Zum anderen war da „Zerstörung für Anfänger. Reloaded“ der Choreografin Mey Seifan und der Tanween Company. Die Bilder sprechen für sich.

Foto: Anas Khabir