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Dolmetscher sollen besser werden

Mittwoch 19. Juli 2017

Ashkan war zwei Jahre seines Lebens auf der Flucht. Sein Weg führte aus dem Iran zunächst in die Türkei, dann nach Griechenland, bis er schließlich nach harten Monaten und mit ernsthaften psychischen Verletzungen in Deutschland ankam. Dort hing alles von einem einzigen Gespräch an einem einzigen Termin ab – nämlich von der Anhörung im Asylverfahren. Ashkans weiteres Schicksal hing davon ab, was er bei diesem Tag sagte, wie der Beamte das Gesagte beurteilte. Vor allem aber hing es davon ab, ob seine Aussagen von einem fähigen und geübten Dolmetscher übersetzt wurden oder nicht.

In Deutschland fehlt es an professionellen Dolmetschern, seit 2015 die Zahl der Geflüchteten so massiv gestiegen sind und das begann, was die Medien und die Politiker häufig als Flüchtlingskrise bezeichnen. Die vielen Anträge auf Asyl zu bearbeiten wurde zur echten Herausforderung. Um diese Situation zu bewältigen, hat das Bundesdamt für Migration und Flüchtlingen in vielen Fällen auf Dolmetscher zurückgegriffen, die für diese Aufgabe nicht hinreichend ausgebildet waren.

Wenn der Dolmetscher einen Fehler macht, kann es für Leute wie Ashkan große Folgen haben; das könnte sogar dazu führen, dass sein Asylantrag abgelehnt wird und er nicht in Deutschland bleiben kann. Aber das ist nur die eine Seite der Geschichte. Auf der anderen Seite sind die Dolmetscher, die unter extremen Druck stehen, weil die Zahl der Anhörungen so stark angestiegen ist und weil das Ansehen dieser Anhörungen stark gelitten hat durch die Tatsache, dass in den Asylverfahren auch Anfänger als Dolmetscher eingesetzt werden.

Eine Gruppe professioneller Dolmetscher hat jetzt in Berlin ein Pilotprojekt gestartet und organisiert Seminare, um Dolmetscher für den Einsatz im Asylverfahren zu schulen. Das Projekt wurde am vergangenen Freitag an der Humboldt-Universität in Berlin vorgestellt. Kristin von Randow, eine der Initiatorinnen und Mitglied im Internationalen Verband der Konferenzdolmetscher, beschrieb die Schwierigkeiten beim Dolmetschen im Asylverfahren und schlug vor, dass die Humboldt-Universität eine Spezialisierung in diesem Bereich anbieten solle.

Kristin von Randow hat zusammen mit Kollegen die Berliner Initiative für gutes Dolmetschen rund um Asyl und Migration gegründet, um die Probleme in diesem Bereich durch gezielte Trainings zu verringern. Die Teilnehmenden lernen Übersetzungstechniken, Ethik, sie reflektieren ihre Rolle im Asylverfahren und erfahren auch, wie man sich vor den psychischen Belastungen, die diese Arbeit mit sich bringt, besser schützen kann. Die Kurse dauern sechs Monate und werden durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gefördert.

Dieses Angebot soll auch dazu beitragen, mehr Übersetzer für die Asylverfahren zu schulen, so dass Antragssteller wie Ashkan sich nicht mehr allzu große Sorgen machen müssen, dass dem Übersetzer Fehler unterlaufen.

Von Negin Behkam für Amal, Berlin!