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Der letzte deutsche Kaiser und die Geschichte des schönen Esels in Damaskus

Samstag 11. November 2017

Damaskus ist eine Stadt, in der es viel zu sehen gibt. Als Student habe ich viel Zeit damit gebracht, durch die Stadt zu schlendern und mir die vielen interessanten Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Ich spazierte zwischen dem al-Azem Palast und der Umayyaden-Moschee, der Zitadelle von Damaskus und den Gassen, die sie umgeben. Dort findet sich auch das Grab von Salah al-Din. Die Orte faszinierten mich ebenso wie viele andere Besucher der syrischen Hauptstadt.
So war auch der letzte deutsche Kaiser (1859-1941) hier gewesen. Vom 16. Oktober bis 12. November 1898 besuchte er Damaskus auf seiner Rundreise durch das Osmanische Reich. Seit meiner Ankunft hier in Berlin, habe ich versucht, mehr über den Besuch herauszufinden und wie er damals von der Öffentlichkeit der beiden Länder wahrgenommen wurde. Natürlich interessierte mich dabei auch die Geschichte des Geschenks, das der Kaiser für das Grab von Salah al-Din im Gepäck hatte.

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Die europäische Presse sprach damals vom Osmanischen Reich als “Kranken Mann am Bosporus”. Tatsächlich stand das große Reich kurz vor dem Zusammenbruch. Seine Herrschaft in Nordafrika war geschwächt. Frankreich und Großbritannien hatten die Gebiete quasi unter sich aufgeteilt. Und Deutschland? Das Kaiserreich war leer ausgegangen und dies ist der Hintergrund der Reise, die Kaiser Wilhelm II im November 1898 unternahm. Er besuchte Astana, die damalige Hauptstadt des Osmanischen Reiches und in seinem Gefolge reisten hochrangige Diplomaten und Wirtschaftsführer wie etwa Außenminister Graf von Bülow und Georg Siemens, der Gründer der Deutschen Bank. Im Gepäck hatten sie Pläne für gleich mehrere Großprojekte. Besonders der Plan, eine neue Bahnlinie von Bagdad nach Istanbul zu bauen, waren den Briten und Franzosen ein Dorn im Auge. Hinzu kamen Pläne für archäologische Ausgrabungen, Bergbau und militärisches Training für die Offiziere des Osmanischen Reiches. Offiziell war Kaiser Wilhelm II auf Pilgerreise, die heiligen Stätten in Jerusalem zu besuchen. Dort weihte er am 31.Oktober 1898, am Reformationstag also, die deutsche Evangelische Kirche ein. Der Kaiser reiste weiter, durch die Berge des Libanon, nach Baalbeck und gelangte schließlich nach Damaskus.

Kaiser Wilhelm II, der auf Arabisch Guillaume II genannt wird, wurde in Damaskus ein großer Empfang bereitet. Die al-Mokattam-Zeitung (Eine politische Tageszeitung die von 1888-1952 von Jacob Sarouf, Fares Nemer und Shahin Makarios in Kairo herausgegeben wurde) widmet am 16.11. 1898 die Titelseite dem Besuch des deutschen Monarchen. Die Bevölkerung von Damaskus hab Freude und Begeisterung gezeigt, die untypisch sei für die Menschen des Orients. Der Kaiser beschreibt die gute Stimmung, die ihm bei seiner Ankunft entgegenschlug in einer Rede: „Wer einmal großen Respekt erleben möchte, der besuche Damaskus“.

Eine Goldkrone für das Grab von Salah al-Din

In Damaskus besuchte der Kaiser die Ummayaden-Moschee, den Azm-Palast und die anderen Sehenswürdigkeiten der Stadt. Er stieg zu den Qaseen Bergen auf und hielt eine Militärparade in Marja ab. Auch dem Grab von Salah al-Din stattete er einen Besuch ab. Wilhelm II legte auf dem Grab Salah al-Dins einen Goldene Krone ab und er ließ einen neuen Grabstein anfertigen, der bis heute dort steht. Die Krone hingegen soll von Thomas Edward Lawrence, besser bekannt als Lawrence von Arabien (1888-1935) gestohlen worden sein, als dieser 1918 Damaskus besuchte. Seitdem wird sie im Britischen Kriegs Museum ausgestellt. Lawrence von Arabien rechtfertigte seine Tat mit der Bemerkung: “Salah al-Din braucht sie nicht mehr“ und natürlich stellt sich die Frage, warum sich die deutsche Regierung nicht stärker um die Rückgabe bemüht.

Der Esel, Abu al-Kheir und der Kaiser

Es gibt viele interessante und aufwühlende Artikel über diesen kaiserlichen Besuch. So beschreibt Fakhri al-Baroudi (1887-1966) in seinen Memoiren (Veröffentlicht im Dar al-Hayat in Damascus and Beirut in 1951, Princeton University Library Archive) die Geschichte vom Kaiser und dem Esel. Die Ehefrau des Kaisers Auguste Victoria (1858-1921) soll bei ihren

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Spaziergängen durch Damaskus einen weißen Esel entdeckt haben. Sie bat ihren Begleiter, den Gouverneur von Damaskus ihr den Esel zu bringen. Dieser erkundigte sich und fand heraus, dass der Esel einem Händler Namens Abu al-Kheir Agha Tello gehörte. Er war eine bekannte Persönlichkeit in seinem Viertel und er soll, so heißt es, immer mit den beiden großen Lieben seines Lebens geprahlt haben: Seinem Esel und seinem Enkel Hosni. Der Gouverneur bat ihn, der Kaiserin den Esel zu überlassen, doch Abu al-Khair weigerte sich und gab auch nicht nach, als der Gouverneur ihn unter Druck setzte. Er sagte: „Ich schenke der Kaiserin gerne sechs Herden bester Zuchtpferde, aber der Esel hier ist nicht zu verschenken“ Das erstaunte den Gouverneur und er frage den Mann nach den Gründen. Dieser antwortete: „Sir, wenn sie den Esel bekommen und ihn mitnehmen in ihr Land, werden die Zeitungen dort kein anderes Thema kennen als diesen Esel. Sie werden sich über ihn und uns lustig machen und es wird heißen, dass die Kaiserin auf ihrer Reise nichts Besseres fand als diesen Esel“. Als der Sultan von dieser Geschichte hörte, ließ er Abu al-Kheir eine große Auszeichnung zukommen.

Warum ich diese alten Geschichten hier aufwärme? Weil 119 Jahre später viele Nachkommen derer, die damals den Kaiser in Damaskus willkommen hießen nach Deutschland gekommen sind und hier von der deutschen Bundeskanzlerin begrüßt wurden. Viele von ihnen nutzten die gleiche Route wie Kaiser Wilhelm und sein Gefolge, nur in umgekehrter Richtung.